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Sonntag, 7. Mai 2017

Akihabara

 Ist Japan wirklich so verrückt nach der neusten Technik oder ist das nur ein Vorurteil? Die Antwort bekommt man in Akihabara. Und nach kurzer Zeit hier in Akihabara kann man die Frage mit "Ja!" beantworten.
Bislang habe ich noch gar nichts über Akihabara berichtet. Aber wie könnte ich meine Berichtsreihe über Tokyo beenden ohne nicht einmal über Akihabara geschrieben zu haben? Akihabara ist neben Shibuya das schlagende Herz Tokyos. 
Das Stadtbild von Akihabara ist im Vergleich zu dem in Shibuya viel "aufgeräumter", irgendwie auch steriler als Shibuya. Fast so als dürfe kein Staub zwischen die feine Elektronik der Computer und Smartphones gelangen.
Shibuya ist das kommerzielle Zentrum Tokyos, dass alle Interessen abdeckt. Von High Class Marken bis hin zu bestimmten Szenen. Akihabara dagegen hat sich auf Technik und Mangas spezialisiert. Zwischen dem neusten technischen Schnickschnack, Mangas und Maidcafes findet man hier alles, was das Nerdherz begehrt. Ein Elektronikgeschäft reiht sich an das Nächste, dazwischen Dutyfreeshops und Spielhallen. 
Gibt es irgendwas, dass man in Akihabara nicht findet? Vermutlich nicht.
Aber nicht nur die neueste Technik ist in Akihabara zu haben. Auch viele Second- Hand- Geschäfte für Computer, Fotoapparate und deren Zubehör sowie Spielkonsolen und Handys reihen sich in das riesige Angebot ein. Es gibt sogar ganze Buchhandlungen nur mit Mangas, von denen einige "Erwchsenenabteilungen" haben. Verrückt, diese Japaner.
Das man vorallem in Akihabara viele Cosplayer und Manga-ähnliche Figuren antrifft, kommt allerdings nicht von ungefähr. Hier hatte diese Szene ihren Ursprung, bevor sie dann nach Harajuku gewandert ist. Ich bin hin und her gerissen welcher Stadtteil nun das Herz Tokyos ist. Vermutlich sind es beide. Harajuku und Shibuya ist die für Shoppingbegeisterten, Akihabara dagegen für die Freunde der Gadgets und Technik. Leonard, Howard, Raj und auch Sheldon hätten hier in Akihabara bestimmt ihren Spaß.
Tagsüber ist Akihabara fast menschenleer, erst nachts wird es hier voll. Und abgefahren. Es ist so als wäre das schrille Harajuku einfach für die Nacht nach Akihabara gewandert. Hier sieht man die Cosplayer und die niedlichen Lolitas zwischen den Pachinkoslots hervor kommen, die braven Japaner, die tagsüber im Büro sitzen sind nun hier unterwegs.
Ich glaube auch, in keinem anderen Stadtbezirk ist die Dichte an Pachinkoslots so hoch wie in Akihabara. Schon merkwürdig, wenn so drüber nachdenkt, dass Glücksspiel in Japan eigentlich verboten ist. Aber genau das ist das Ventil der Japaner um Druck abzubauen. Da es bei den Pachinkohallen nicht um Geld geht ist das allerdings legal. In erster Linie geht es nicht um Geld. Gerüchten zu Folge können die gewonnen Kugeln gegen Sachwerte eingetauscht werden, die dann wieder gegen Bares eingetauscht werden können.
Und dann gibt es noch die Greifautomaten, in denen man sich mit viel Geschick und Glück ein niedliches Stoffkätzchen angeln kann. Bis das allerdings aus dem Automaten gefischt ist, sind gut 30€ weg - für 10-15€ hätte man sich das gleiche Kätzchen auch bei Don Quijote kaufen können.
Eigentlich verdient Don Quijote einen eigenen Blogeintrag. Allerdings finde ich es sehr merkwürdig in Kaufhäusern zu fotografieren. Don Quijote ist DER inbegriff des japanischen Kaufhauses. Ich weiß nicht was Kaufhaus auf Japanisch heißt aber hier passt der chinesische Begriff 百货​公司 (Baihou gongsi "Hundert Waren Haus") wie die Faust aufs Auge. Hier gibt es alles was man braucht - oder eben auch nicht. Von diversen Drogerieartikeln über Bekleidung aller Art bis hin zu Haushaltswaren. Wie für so vieles in Japan gilt auch hier: Man muss es erlebt haben um es zu verstehen.
Getreu dem Motto " Save the Best for last" bin ich nun auch wieder am Ende angelangt. Die eine Woche Tokyo ging schnell vorbei. War es zu wenig Zeit um Tokyo zu verstehen? Ja allerdings. Ich bin mir nicht sicher, ob selbst ein ganzes Jahr reichen würde. Auf der anderen Seite kann Tokyo auch sehr anstregend sein, so dass eine Woche auch ausreichen kann.
Japan ist geprägt durch hohe Kontraste, Dinge die jenseits meiner Vorstellung lagen, wie das Kaiwaii Monster Cafe, und Hotelzimmer so groß wie Schuhkartons. Eine Stadt die niemals schläft, in der immer und überall was los ist.
Zurück in Deutschland hat mir dass in den ersten Tage der beheizte Klositz gefehlt. Wenn man sich man dran gewöhnt hatte, war es sehr angenehm.
Im November geht es nochmal nach Asien - nach Vietnam. Zu gegebener Zeit wird zu meinen Plänen noch ein Post kommen. So viel sei aber schon mal gesagt: Es geht von Hanoi nach Ho Chi Minh Stadt (vielen auch bekannt unter "Saigon"), also nicht immer nur an einem Ort.
Davor geht es noch nach Wien, Bratislava und Köln - Ihr seht ich hab dieses Jahr noch viel geplant.
Nach Vietnam geht es für die nächsten Jahre zumindest erstmal nicht mehr nach Asien. Mein Latinoherz hat Heimweh und so stehen für 2018 andere Ziele auf der Liste. Ihr dürft gespannt sein.

Sonntag, 30. April 2017

Yokohama

Nur eine Stunde von Tokyo entfernt und doch eine andere Welt: Yokohama. Man steigt in Tokyo in die U-Bahn und in Yokohama wieder aus. Eine Linie verbindet beide Städte, deren Übergang fließend ist, und trotzdem könnten die beiden Städte nicht unterschiedlicher sein.
Ich persönlich fand Yokohama schöner als Tokyo. Vielleicht lag es an Chinatown, in dem ich mich wieder mehr "zu Hause" gefühlt habe, vielleicht an der Hafenpromenade und die Ausgelassenheit der Menschen dort. Ich weiß es nicht.
Man verlässt die U-Bahnstation, tritt durch das bunte Tor und schon ist man Mitten in China. In den Fenstern der Restaurants hängen die Enten, an den Straßen Garküchen, zwischen den Häusern sind rote Lampions gespannt. Es ist fast wie in Hong Kong und Taiwan. Aber es passiert mitten in Japan. 
In Chinatown angekommen haben wir uns erst einmal gegrillte Ente (aus dem Schaufenster), gegrilltes Schwein und Wantan gegönnt. Es war soooooo gut. Vielleicht habe ich es schon erwähnt aber ich werde einfach kein Freund der Japanischen Küche. Es ist nicht so, dass ich Sushi nicht mögen würde und auch nicht so dass japanisches Essen per se schlecht schmeckt aber für meinen Geschmack ist das japanische Essen zu fad. Ich brauche einfach mein Salz, meinen Pfeffer und alle anderen Gewürze. Zu oft habe ich in Japan das Salz auf dem Tisch vermisst. Die chinesische Küche dagegen geizt nicht mit Gewürzen, mit Chillis (und auch mit Knoblauch). Vielleicht hab ich auch nur immer das Falsche bestellt, aber nach einer Woche japanische Kost hatte ich einfach das Bedürfnis nach Gewürzten. 
Frisch gestärkt ging es weiter durch Chinatown. Es war ein bisschen wie "nach Hause" kommen. Das klingt jetzt irgendwie komisch, denn ich ja nie in einem chinesischen Land gelebt und die, die mich kennen, wissen auch dass ich vor allem nach Taiwan sehr gespalten war, nicht genau wusste ob ich Taiwan gut oder schlecht finde (inzwischen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass Taiwan super war). Die chinesische Kultur ist inzwischen voll meins geworden. Leider fehlt mir die Zeit weiterhin chinesisch Kurse zu belegen, aber ich vermisse es Chinesisch zu lernen. Gut, jetzt mal nicht vom Thema abschweifen.
In Chinatown findet man sogar einen chinesisch- buddhistischen Tempel mit allem was dazu gehört. Mit den Drachen, den farbenfrohen Malereien. Fehlte nur der Nachtmarkt in der Nähe, aber man kann ja nicht alles haben.

Aber Yokohama besteht nicht nur aus Chinatown, sondern hat auch noch eine wunderschöne Hafenpromenade zu bieten. Angelegt wie ein Park, sind wir die Promenade entlang geschlendert und haben uns eine frische Meeresbrise um die Nase wehen lassen. Bei strahlendem Sonnenschein legten einige Fähren am Pier ab und an.
Wir hatten echt Glück mit Wetter während wir in Japan waren, aber dieser Sonntag in Yokohama war besonders schön. Vielleicht lag es daran, dass die Menschen in Yokohama deutlich gelassener und nicht so gestresst wie in Tokyo wirken, vielleicht lag es daran, dass Sonntag war oder einfach die bald nahende Kirschblüte schickte die ersten Vorboten.
Die Stimmung war ausgelassen. Familien saßen auf den Grünanlagen teilten sich das mitgebrachte Picknick, an der einen Ecke wurden Fotos für das Hochzeitsalbum geschossen, an der anderen Ecke tanzten die Leute miteinander. Es ist schon komisch, auf der einen Seite ist man komplett zurück haltend und schüchtern, auf der anderen Seite hat man auch kein Problem damit einfach in der Öffentlichkeit zu tanzen. Aber das habe ich nicht nur in Japan feststellen können, sondern auch in Taiwan und Hong Kong.
Auch zu Fotos haben die Japaner ein anderes Verhältnis. Ich konnte (fast) alles fotografieren. Ohne böse Blicke, ohne dass ich sich jemand gestört davon fühlt. Den Augenblick mit den beiden tanzenden Damen hätte ich Deutschland vermutlich so niemals einfangen können. In Japan habe ich einfach auf den Auslöser gedrückt und dafür von auch noch von einem älteren Herren ein Lächeln und einen Daumen nach oben bekommen. Irgendwie süß die Japaner.
In Yokohama habe ich auch sehr viele alte Menschen gesehen. Dafür, dass Japan so bekannt für die hohe Lebenserwartung ist, habe ich in Tokyo fast nur jüngere Menschen gesehen. Außer in Yanaka, aber das ist auch ein komplett anderes Tokyo. Vielleicht ist Tokyo aber auch einfach nur eine andere Welt. Mehr Business, mehr Lifestyle.

Sonntag, 23. April 2017

Asakusa

Ich habe euch ja bereits vom Stadtteil Yanaka erzählt, aber es gibt noch einen weiteren - weit aus bekannteren - Stadtteil, der als "Altstadt" Tokyos bezeichnet wird. 
Ich finde es schwer zu sagen, ob Tokyo nun eine Altstadt hat oder nicht. Tokyo ist nicht historisch gewachsen wie europäische Städte. Es gibt einfach "ältere" und "jüngere" Stadtteile. 
In Asakusa steht der bekannteste und älteste Tempel Tokyos und in keinem Stadtteil habe ich mehr Frauen in Kimonos gesehen. 
Bekannt ist Asakusa durch den Senso-ji Tempel mit dem großen roten Lampion. 
Der Senso-ji Tempel ist der größte Tempel Tokyos. Schon beim Verlassen der U- Bahn- Station kann man das große Tor dem großen roten Lampion  sehen. 
Japanische Tempel sind, im Gegensatz zu chinesischen Tempeln, schlicht gehalten. Die Verzierungen sind nicht so farbenreich, nicht so leuchtend. Vielmehr wird mit gedeckten Farben gearbeitet. Der Baustil ist den chinesischen Tempeln sehr ähnlich, mit den Balken die ineinander gesteckt scheinen, mit den vielen Lampions und den Feuerstellen für die Räucherstäbchen, bis hin zu der Form der Dächer.
Nicht zu vergessen sind die kleinen Häuschen in denen man Wünsche und Vorhersagen für die Zukunft kaufen kann.

Auf der ganzen Tempelanlage kann man immer wieder Frauen in Kimonos beim beten beobachten. Und wie diese Fotos mit anderen Touristen machen. An dieser Stelle möchte ich auch noch mal anmerken, dass eine Frau, die einen Kimono trägt, nicht gleich eine Geisha ist. Der Kimono ist lediglich ein traditionelles Gewand in Japan, dass heutzutage meist nur noch zu festlichen Anlässen getragen wird. Das Berufsbild der Geisha soll inzwischen auch fast ausgestorben sein. Die Ausbildung ist langwierig und hart.
In Asakusa glaube ich allerdings, dass die Japanerinnen in Kimonos auch nur für die Touristen rumlaufen. Klugscheißer- Modus aus.

Außerhalb des Tempels ist es in den Seitengasse Asakusas sehr ruhig. Vielleicht liegt daran, dass sich hier weniger Touristen hin verirren, vielleicht weil man sich in Tokyo anfängt alleine zu fühlen wenn man nicht dicht an dicht mit anderen Menschen gedrängt steht.
An vielen Türen findet man wunderschöne Malereien, in den Seitengassen viele kleine Läden die traditionelles Handwerk und Haushaltswaren verkaufen und natürlich auch Restaurants mit Ramen, Sushi, Fisch und Gegrilltem. Die kleinen Läden sind keine bunten Ramschläden in denen alles niedlich sein muss, wie in Harajuku, hier hat sich jeder Laden auf etwas Anderes spezialisiert und man bekommt das Gefühl hier wird noch echte Handwerkskunst angeboten.

Es ist schon verwunderlich wie leer Tokyo plötzlich sein kann. Wie langsam das Leben hier zu laufen scheint. Es geht im ganzen Viertel ein ruhiger Geist um.  Natürlich ist Asakusa sehr touristisch, das sieht man allein an den vielen Rikschas, die garantiert nicht da sind um die Einheimischen von A nach B zu bringen (umgerechnet 40€ für 30 Minuten Fahrt). Aber man kann hier vielleicht doch einen kleinen Blick hinter die Fassade erhaschen. Anstatt der bunten Neonreklamen hängen zwischen den Häusern die Stromkabel (da kam fast ein bisschen Heimatgefühl für Paraguay auf), die Hochhäuser und das hypermoderne Akihabara scheinen Welten entfernt (und nicht nur 10 Minuten mit der U-Bahn).

Sonntag, 16. April 2017

Fischmarkt

Wo in Tokyo bekommt man den besten und frischesten Fisch? Auf dem Tsukiji Fischmarkt.
Schon beim Verlassen der U-Bahn-Station riecht es nach Meer, nach Salzwasser. Denn genauso muss frischer Fisch riechen. Am Himmel kreisen die Möwen und stoßen ihre Schreie aus. Im Hintergrund die Hochhäuser Tokyos. Den Eingang zum Fischmarkt zu finden ist auch gar nicht so einfach. Also vielleicht schon und nur so planlose Leute wie ich laufen mal wieder ewig außen rum und finden den Zugang nicht.
Ein großer Teil des Geländes ist für Touristen nicht zugänglich. Ohne japanische Sprachkenntnisse lässt sich allerdings eher schwieriger rausfinden welche zugänglich sind und welche nicht.
Wir laufen also durch einen Eingang rein und werden promt von einem Sicherheitsmann angesprochen. Wissend, dass wir kein Japanisch können, drückt er uns einen Plan in die Hand und gibt uns mit Händen und Füßen zu verstehen dass wir hier nichts zu suchen haben.
Na gut, also umgedreht und zurück gelaufen. Irgendwie haben wir dann den Eingang gefunden. Ziemlich versteckt und gar nicht einladend.
Zwischen Kartons und Styroporkisten wird Fisch gehandelt, fangfrisch und teilweiße noch sehr lebendig. Wie schon gesagt, frischeren Fisch bekommt man nirgends in Tokyo.
Der Fischmarkt ist allerdings eine Attraktion für Frühaufsteher. Als wir um kurz nach 10 Uhr morgens auf dem Gelände ankamen, waren die Händler schon am zusammen packen und sauber machen.
Auf dem Fischmarkt wird jeden morgen um 4 Uhr morgens Thunfisch versteigert. Aber wir sind im Urlaub und ich sowieso kein Frühaufsteher. Außerdem fahren um diese Uhrzeit keine U-Bahnen, Taxen sind sehr teuer und von unserem Hotel aus gesehen lag der Fischmarkt am anderen der Stadt, also auch keine Entfernung die man mit dem Fahrrad fahren könnte. Es lag also nicht nur an mir ;)

Trotz allem ist der Fischmarkt sehenswert. Es ist das Gesamtbild: die Auswahl der Fische und Meeresfrüchte, das Ambiente, der Meeresgeruch. Auch wenn es "nur" eine Lagerhalle ist, irgendwie ist es etwas besonderes.



Auch wenn ich die Schilder nicht verstanden habe, war mir nie vorher bewusst wie viele verschiedene Fische und Meereslebewesen man generell essen kann. Also glaube ich, dass die alle zum Verzehr gedacht waren.
Wer die Chance hat, sollte unbedingt auch zum Fischmarkt fahren. Vielleicht auch schon morgens um 4 zur Thunfischauktion.

Sonntag, 9. April 2017

Restaurants

In Tokyo gibt es allerlei Restaurants. Verschiedene Fastfood- Ketten, traditionelle Restaurants, Küche aus aller Welt, Tiercafes und Themenrestaurants. 
Man bräuchte vermutlich Wochen um wirklich alle Restaurants zu besuchen, daher haben wir uns auf Zwei beschränkt, von denen ich heute berichten möchte:

Man kann nicht nach Japan fahren ohne nicht mindestens einmal Sushi gegessen zu haben. Das Uobei Sushi Restaurant vereint Japans bekannteste Spezialität und den Hang zur Technik. Kann man sich so das Sushirestaurant der Zukunft vorstellen? Man bestellt sein Sushi an einem Tabletpc, ein paar Minuten später kommt das Sushi mit einem kleinen Zug auf dem Band angedüst und hält direkt vor einem. Ohne Kellner, ohne menschlichen Kontakt. Es gibt keine Tische sondern nur lange Reihen, an denen jeder Platz so einen Tabletpc besitzt. Die Atmosphäre des Restaurant ist eine Mischung aus Spielhalle und Systemgastronomie. Wenn man die Tischreihen entlang schaut, sieht es fast so aus wie in einer Pachinkohalle. 
Das Sushi ist geschmacklich gut und auch für Leute, die keinen Fisch mögen gibt es Sushi mit Fleisch, Burgerpatties oder auch vegetarische Varianten.


Das Kawaii Monster Cafe ist eines der abgefahrensten Restaurants in Tokyo. Aus deutscher Sicht lässt es sich am besten mit "verrückt, vollkommen absurd und irgendwie auch leicht verstörend" beschreiben.
Die Kellner sind in Cosplaykostümen verkleidet, im Restaurant selbst ist knallbunt, in Pink und Lila beleuchtet und das Essen hat auch die volle Farbkeule abbekommen. So gibt es bunte Spagetti, Burger mit blauen Brötchen und Getränke aus Reagenzgläsern.
Das Essen ist wirklich lecker und schmeckt gar nicht so chemisch, wie man es erwarten möcht. Allerdings kann der Abend mit rund 30-40€ pro Person recht teuer werden. Man zahlt 500Yen (knapp 5€) alleine Eintritt, zudem müssen noch pro Person mindestens ein Gericht und ein Getränk bestellt werden. Eintritt in Themenrestaurants ist in Tokyo nicht ungewöhnliches. Auch in Tier- oder Maidcafes zahlt man einen Eintrittspreis, der dann auf die Rechnung gesetzt wird.
Alle Stunde wird der Service komplett eingestellt und es gibt eine "Monstershow", in der eine der Angestellten auf einem Karussell tanzt und den Gästen Handküsse zuwirft. Ich weiß ja nicht, ob man das wirklich als "Monstershow" bezeichnen kann.
Wenn man in Tokyo nur in ein verrücktes Restaurant besuchen möchte, sollte es auf jeden Fall das Kawaii Monster Cafe sein. Kein anderes Cafe ist so absurd und zeigt besser das verrückte Tokyo als dieses. Das Restaurant ist eine Sehenswürdigkeit für sich. Am Besten sollte man entweder direkt abends bei Eröffnung da sein oder einen Tisch reservieren, denn sonst wartet man sehr lange auf einen Tisch.
Ich hoffe, ich konnte besonders bei diesem Restaurant ein einigermaßen gutes Bild malen, denn man muss es erlebt haben um es zu verstehen. Vielleicht hat sich so Alice im Wunderland gefühlt? Einige Stimmen im Internet sagen, dass ein Besuch im Kawaii Monster Cafe wie ein LSD Trip nur ohne LSD ist.
Würde ich dieses Restaurant jederzeit wieder besuchen? JA! Denn wo in der Welt findet man schon so ein Restaurant? Nur in Tokyo, denn in keinem anderen Teil der Erde würde dieses Konzept überhaupt funktionieren.

Sonntag, 2. April 2017

Yanaka

Sollte ich irgendwann in Tokyo wohnen, weiß ich ganz genau in welchem Stadtteil ich wohnen werde: In Yanaka. 
Vieles in und an Tokyo fand ich anstrengend und ich weiß immer noch nicht ganz wie ich zu Tokyo stehe aber Yanaka hat mir, von allem was ich gesehen habe, am besten gefallen. Ich würde sogar fast soweit gehen und sagen, dass ich mich etwas verliebt habe.
Yanaka ist so etwas wie Tokyos Altstadt - an dieser Stelle sei erwähnt, dass Tokyo keine richtige Altstadt hat sondern nur ein paar ältere Viertel- mit vielen Tempeln. Hier in Yanaka scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, Tokyo hat um ein paar Gänge zurück geschalten. Yanaka ist anders als der Rest von Tokyo, selbst das traditionelle Asakusa ist sehr touristisch. 
In Yanaka stand ich plötzlich mitten in dem Japan, das ich immer abseits der schrillen, mit blinkenden Neonreklamen, in meinem Kopf hatte. 
An der Straße sind Essensstände zu finden, Leute kaufen hier ihre Gerichte, man findet ein breites Angebot an Bento, Fisch, Meeresfrüchten und allerlei japanische Naschereien. Garküchen findet man in Tokyo weniger, es ist eher wie der Hähnchenmann in Deutschland. Man kauft was, nimmt es mit und isst zu Hause.
Das japanische Essen besteht größtenteils aus Reis, Fisch und Gemüse. So zumindest die weitläufige Annahme und das stimmt auch. Aber es wird auch viel frittiert, viel Rind gegessen. Ich persönlich werde wohl kein großer Freund der japanischen Küche. Nicht weil es mir nicht schmecken würde. Das Essen ist gut und die Qualität stimmt auch aber ich esse gerne würzig. Und mir hat einfach zu oft das Salz auf dem Tisch gefehlt.

Es war wie Urlaub im Urlaub. Einfach mal durchatmen im hektischen Tokyo. Man kann gar nicht glauben, dass man trotzdem in Tokyo befindet. Die Straßen hier sind leerer, das Viertel im Verhältnis sogar fast menschenleer. Auch Autos fahren hier sehr wenige. Hier sind die Leute entweder zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs.
Schon lustig, denn nur ein paar Straßen weiter tobt das tokyoter Leben mit allen seinen Facetten.
Und hier ist es ruhig. Keine Lautsprecher, aus denen Musik gespielt wird. Keine bunten Neonreklamen. Keine Promoterinnen in Manga oder Maidkostümen vor Restaurants, die versuchen dich zu überzeugen ihr Restaurant zu betreten. 
In Yanaka reihen sich diese Essenstände, neben Supermärkte, 100Yen Stores und kleine individuelle Läden, in denen Tee, Porzellan, Kimonos und vieles mehr verkauft wird.
Keine großen westlichen Ketten, kein Gedränge, einfach nur das normale japanische Leben. Man hat das Gefühl hinter die Fassade blicken zu können, dass nicht jeder Japaner so verrückt ist. 
Yanaka ist voller Tempel, Schreine und Friedhöfe. Vielleicht macht das auch diesen friedlichen und ruhigen Charme dieses Stadtteils aus. Vieles ist noch aus der Edo- Zeit erhalten oder wurde zumindest rekonstruiert. Natürlich ist es touristisch aber Yanaka ist Japan-Romantik pur. Zumindest für mich. Sollte ich irgendwann in Tokyo leben, möchte ich hier wohnen.


Sonntag, 26. März 2017

Shibuya

Ich glaube, jeder der an Tokyo denkt denkt automatisch auch an Shibuya und die Shibuya Kreuzung, die größte Kreuzung der Welt.
Es ist mega-beeindruckend, wie viele Menschen auf einmal über eine Straßen gehen.
Kleiner Fakt am Rande: Pro Grünphase gehen durchschnittlich 1500 (!!) Menschen gleichzeitig über die Straße. Andere Quellen sprechen auch von bis zu 15000 Menschen, das wäre eine komplette deutsche Kleinstadt.
Als wir diesen Seitenwechsel mitgemacht haben, hatte ich das Gefühl als würde ganz Tokyo gleichzeitig über die Straße laufen. Was natürlich Quatsch ist weil Tokyo um so vieles größer ist. Egal ob nun 1500 oder 15000 Menschen über die Straße gehen, es sind unglaublich viele Menschen. Ich bin immer wieder fasziniert wie viele Menschen in manchen Städten leben. 
Einen richtig guten Blick über die Kreuzung hat man übrigens von einer großen amerikanischen Cafe- Kette aus. Der Sakura Latte, den diese Cafe- Kette zur Kirschblüte führt, ist sehr zu empfehlen.
Shibuya ist modern aber im Grunde unterscheidet sich das Viertel auch nicht besonders von deutschen Einkaufsvierteln. Also eigentlich schon, aber auch irgendwie nicht. Klingt das komisch? Vermutlich schon. Die Läden sind europäisch, denn hier findet man H&M Forever21, Bershka und Co, dazwischen diverse Fastfoodketten. Aber es ist auch irgendwie sehr japanisch mit den Leuchtreklamen, den Spielhallen, den Lautsprechern aus denen J-Pop gespielt wird. Nachts ist Shibuya besonders beeindruckend wenn die Neonschilder leuchten. Im Gegensatz zu Hong Kong sind die Leuchtreklamen die Häuserfassaden runter und nicht quer über die Straße zwischen den Gebäuden.
In den Seitengassen finden man kleine Restaurants , bei denen im Eingangsbereich rote Lampions hängen und die japanische Spezialitäten servieren aber auch Katzencafes oder Speed Sushi (mehr dazu demnächst). 
In Shibuya ist alles sehr modern, man könnte nicht meinen dass man nur wenige Kilometer weiter Bezirke wie Asakusa mit Tempeln zu finden sind. Hier in Shibuya steppt das Leben der jungen Japaner, die die gerade noch zur Schule gehen oder gerade die Schule beendet haben. Entsprechend viele Leute sieht man hier auch in Schuluniform. Hin und wieder fährt auch noch ein LKW mit lauter Pop Musik vorbei. Warum? Das wissen wohl nur die Japaner selbst.

Zu dem Bezirk Shibuya gehört auch der Stadtteil Harajuku. Harajuku ist DER Jugendtreffpunkt in Tokyo. Irgendwo zwischen übertriebener Niedlichkeit und knallbunten Outfits treffen sich auch hier die Cosplayer und Anhänger der Manga-/Animeszene. Ich hätte gedacht, dass in Tokyo mehr verkleidete Menschen rum laufen, dem war allerdings nicht so.
Harajuku ist noch bunter als der Rest von Tokyo. Hier findet man viele kleine Läden, die knallbunte Klamotten, Taschen und sonstigen Krempel verkaufen.
Harajuku ist vielleicht auch der niedlichste -oder wie die Japaner sagen "Kawaii"- Stadtteil von Tokyo. Wirklich hier findet man alles was das Mädchenherz begehrt. Hello Kitty, Einhörner, Regenbögen- Alles! Selbst die Schilder am Bahnhof Harajuku sind irgendwie süß. Schade, dass ich kein Japanisch kann.