Samstag, 5. Oktober 2019

Chicago

Über das Wochenende mal nach Chicago? Kann man mal machen. Obwohl ich das niemanden empfehlen würde - zumindest solange man rund 8 Flugstunden entfernt wohnt.

Ich möchte hier niemanden zu so einer Aktion ermutigen. Auch wenn ich sehr gerne reise, mache ich mir natürlich auch Gedanken um den Klimaschutz und die Reisebranche wird sich zum Wohle des Klimas ändern müssen.
Außerdem darf man auch nicht die Auswirkungen auf den eigenen Körper vergessen. Mein Biorhythmus war komplett aus dem Gleichgewicht geraten und ich habe über eine Woche gebraucht um wieder auf Spur zu kommen.
Privat würde ich niemals auf die Idee kommen über das Wochenende irgendwo hin zu fliegen und schon gar nicht Langstrecke. Aber wenn der Chef fragt, ob man mit auf Inforeise nach Chicago gehen möchte, lehnt man nicht ab. Solche Chancen kommen nicht besonders oft und sind einer der Gründe weshalb ich meinen Beruf liebe.

Freitagmorgen ging es also ab Frankfurt via Toronto in die Windy City. Mit der Anreise war der Tag auch schon beendet; wir sind am späten Nachmittag in Chicago gelandet und zum Sonnenuntergang hat Downtown einen wunderschönen goldenen Touch. So schön habe ich das auch nicht in New York erlebt. 

Da Chicago sieben Stunden hinter Deutschland liegt, war die Nacht für mich sehr kurz. Meine innere Uhr hat mich Ortszeit nachts um 3 Uhr geweckt. Zurück in Deutschland hatte ich übrigens ähnliche Probleme. Jetlag ist doch was schönes...nicht.

Da wir auch nur den Samstag in Chicago hatten war dieser entsprechend durchgeplant.
Los ging es mit einem Spaziergang durch Downtown, über den Chicago River, Richtung Willis Tower. Der Willis Tower ist das höchste Gebäude in Chicago und das zweithöchsten in den USA.
Für Schwindelfreie hat der Willis Tower etwas ganz besonderes zu bieten: Glaskästen, die wie kleine Balkone aus dem Gebäude herausragen. Also nichts für mich. Mit meiner Angst vor dem freien Fall traue ich mich nicht auf Glasböden, die über 400 Meter in der Höhe hängen.
Aber von den anderen Panorama Fenstern hat man eine ebenso tollen Blick über Chicago.
Nach dem Willis Tower ging es direkt weiter zum Hancock Tower.
Wie auch der Willis Tower hat Hancock Tower ein Panoramadeck und ein Extra für Schwindelfreie.
Hier gibt es Fenster, die nach vorne kippen. Da lasse ich lieber Anderen den Vortritt.

Vom Hancock Tower ging es dann zum Millennium Park mit dem Cloud Gate. Das Cloud Gate wird aufgrund seiner Form auch The Bean genannt.
Nach einem Spaziergang durch den Park, haben wir uns Leihräder geschnappt und sind entlang des Lake Michigan zum Navy Pier gefahren.

Viele sagen, dass Chicago das schönere New York ist. Auch wenn ich New York jeder anderen amerikanischen Stadt vorziehe kann ich diese Meinung dennoch nach vollziehen. Downtown Chicago ist verhältnismäßig recht kompackt. Die meisten Sehenswürdigkeiten sind entlang der Magnificent Mile und somit kann man die Stadt sehr gut zu Fuß erkunden.
Versteht mich nicht falsch, in New York kann man auch vieles zu Fuß erkunden aber die Distanzen sind trotzdem so groß dass die U- Bahn die beste Variante ist um sich in der Stadt fortzubewegen.

Aber zurück zu Chicago: 24 Stunden in dieser Stadt sind einfach zu wenig.
Nach einem Spaziergang über die Magnificent Mile war es langsam Zeit für das Abendessen und damit neigte sich der Samstag sowie der der Trip dem Ende zu.
Sonntags ging es nach einem typisch amerikanischen Frühstück in einem Diner auch schon zum Flughafen.
Ich werde definitiv nochmal nach Chicago reisen- allerdings mit mehr Zeit im Gepäck.
Chicago ist eine Reise wert und verdient es nicht innerhalb von 24 Stunden abgerissen zu werden. Auch wenn wir viel gesehen haben - denn bei Inforeisen wird in sehr knappe Zeit sehr viel Programm reingepackt- mussten wir auch sehr viel auslassen. Und wer weiß, vielleicht klappt es ja auch mal über Saint Patricks Day.

Sonntag, 21. Juli 2019

Almaty

Von Nur- Sultan ging es dann mit einem kurzen Inlandsflug nach Almaty.
Almaty wird auch "Stadt der Äpfel" genannt, da "Alma" auf Kasachisch "Apfel" heißt (und "Ata"  "Großvater").
Allerdings ist diese Übersetzung grammatikalisch eigentlich komplett falsch, da es sich hier lediglich um eine Anreihung von zwei Wörtern handelt, die aber nicht im Zusammenhang stehen.
An jeder Ecke spiegelt sich das Apfel- Thema wieder. Sei es nun mit kleinen Apfel- Skulpturen oder Bushaltestellen in Form eines Apfel.

Almaty war bis 1997 die Hauptstadt des Landes und mir persönlich hat Almaty auch ein bisschen besser gefallen als Nur- Sultan.
In Almaty ist das Stadtbild einheitlicher und so wie man sich romantisch verklärt eine Stadt mit starkem russischen Einfluss vorstellt.

Kleiner Fun-Fact am Rande: meine Oboenlehrerin hat damals (noch zu Sowjetzeiten) um die Ecke von unserem Hotel gewohnt.

Im Vergleich zu Nur- Sultan ist Almaty historisch gewachsen und wurde nicht einfach in die Steppe gesetzt getreu dem Motto "wir brauchen eine moderne Hauptstadt".
Aber auch Almaty hat ein paar Namenswechsel hinter sich.
Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Stadt unter dem Namen "Wernoje" gegründet und wenige Jahre später in "Werny" umbenannt.
Ab diesem Zeitpunkt florierte die Stadt. Auch wenn Nur- Sultan inzwischen die Hauptstadt des Landes ist, so ist Almaty nach wie vor das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum des Landes.

Wie viele andere Städte des russischen Zarenreich wurde auch Werny nach der Machtübernahme der Bolschewiki umbenannt- in Alma- Ata.
Nach dem Zerfall der Sowjetunion bekam die Stadt dann ihren heutigen Namen "Almaty".
Wenn ich mir die Geschichte so anschaue drängt sich mir die Frage auf: Ist Städte umbenennen so ein sozialistisches Ding? Sei es nun Chemnitz/ Karl-Marx-Stadt, Ho-Chi-Minh- City/Saigon oder St. Petersburg/ Leningrad oder eben hier in Kasachstan.


Was direkt beim Landeanflug auf Almaty ins Auge sticht ist dass die Stadt sehr grün ist. Das Stadtbild wird von vielen kleinen Parkanlagen,  mit Bäumen gesäumte Alleen und im Hintergrund das Tian Shan Gebirge geprägt.
Das macht das Klima in Almaty sehr angenehm. Durch die Lage mitten in der Steppe ist es in Nur- Sultan sehr windig und an sonnigen Tagen brennt die Sonne richtig stark, da die Stadt kaum begrünt ist.
In Almaty dagegen ist das Klima auch an heißen Tagen sehr angenehm und man hat nicht das Gefühl, dass die Luft stehen würde.

Ja, man könnte sagen, dass ich mich etwas in Almaty verliebt habe.
Mit den kleinen und großen Bauten aus der Zarenzeit, den Betonbunkern aus Sowjetzeiten. Man sieht der Stadt einfach an, dass hier schon viel passiert ist und sie eine bewegte Vergangenheit hat. Das mag ich total.
Hier gibt es an jeder Ecke etwas anderes zu entdecken und man trifft auch auf andere Menschen. Almaty lebt einfach.

Vor den Toren der Stadt ist der Ile-Alatau Nationalpark mit dem Big Almaty Lake gelegen. Vom Stadtzentrum Almatys fährt man knapp 45 Minuten zu dem kleinen, großen See.
Vorbei an grünen Bergwiesen über eine enge, kurvenreiche Straße. Unser Uber- Fahrer ist die Straße mit gefühlt 100 Sachen die Stunde hoch und runter in einem alten Kombi gerast, der in Deutschland nicht mehr durch den TÜV kommen würde. Ich hatte etwas Angst, dass wir aus der nächsten Kurve fliegen würden. Aber das ist schon etwas, was ich in anderen Ländern gelernt habe: Das Auto wird so lange gefahren, bis es sich nicht mehr reparieren lässt.
Leider war es etwas bewölkt, denn an sehr sonnigen Tagen strahlt der See in einem satten türkis. Dennoch ist auch das blassgrün an bewölkten Tagen sehr schön.
Baden und Picknicken ist am See strengstens verboten, da aus dem See das Leitungswasser der Stadt gepumpt wird.
Am Uferrand des See steht auch ein Wachmann, der irgendetwas aus Russisch/ Kasachisch durch ein Megafon brüllt wenn man zu Nahe an das Ufer kommt.
Da es ab hier nur noch ein paar Kilometer nach Kirgisien sind, sollte man immer den Reisepass dabei haben. Vielleicht auch einer der Gründe, weshalb ein bewaffneter Wachmann/ Polizist am See patrouilliert. Auch wenn uns das nicht passiert ist, werden besonders Touristen wohl im Nationalpark des öfteren kontrolliert und sollte man seinen Reisepass nicht dabei haben, kann es zu Verhaftungen kommen. Gerüchtweise soll aber ein großzügiges Trinkgeld die Rettung sein. Wie gesagt, wir wurden nicht kontrolliert.


Kasachstan. das neunt größte Land der Erde hat mich positiv überrascht. Viele Reisende haben das Land gar nicht auf de Schirm, dabei hat es sehr viel zu bieten. Von karger Steppenlandschaft im Norden, zu alpinen Bergseen im Süden ist für jeden Geschmack was dabei. Ich kann mir durchaus vorstellen nochmals nach Kasachstan zu reisen und noch mehr von diesem Land zu sehen. Allerdings werde ich mir vorher noch die ein oder anderen Russisch- oder Kasachischkenntnisse aneignen.

Sonntag, 14. Juli 2019

Nur-Sultan

Niemals hätte ich gedacht, dass ich nach Kasachstan reisen würde. Aber vielleicht war es Schicksal, eventuell Zufall, aber mit Sicherheit Anders als gedacht.
Nachdem ich einen Fluggutschein mit Air Astana  (muss ich das jetzt als Werbung kennzeichnen? Bevor Fragen aufkommen: der Post ist nicht gesponsert) gewonnen hatte, haben wir überlegt was wir mit dem Gutschein machen, denn er war im gesamten Streckennetz gültig. Relativ schnell war klar, dass wir mit diesem Flugticket nach Nur- Sultan (ehemalig Astana) und Almaty fliegen. Wann sonst denkt man schon mal drüber nach nach Kasachstan zu fliegen?


Nur- Sultan wird auch "Dubai der Steppe" genannt.
Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde Kasachstan 1991 ein eigenständiger Staat. Bis 1997 war Almaty die Hauptstadt, ab 1997 wurde Astana (was auf Kasachisch so viel wie "Hauptstadt" heißt) Hauptstadt. Durch Öl- und Gasvorkommen kam man zu Reichtum und aus Astana wurde binnen kürzester Zeit einer der modernsten Hauptstädte der Welt. Im März 2019 wurde Astana in "Nur- Sultan" umbenannt, um den ehemaligen Präsidenten Nur-Sultan Narsabajew zu ehren. Wie aber auch bei Ho Chi Minh City und Saigon ist der Name Astana noch omnipräsent. Gut, die Umbenennung ist auch erst ein paar Monate her. Dennoch hat man das Gefühl dass nicht alle Bürger so begeistert sind. Sowohl meine Oboenlehrerin, als auch unser einer Uber- Fahrer in Nur- Sultan, haben hierzu eine ganz klare Meinung. Präsidentenkult trifft auf eine hinterfragende Denkweiße.

Bajterek- Turm
Der Präsidentenkult geht sogar soweit, dass eine der Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt der goldene Handabdruck von Präsident Narsabajew im Bajterek- Turm ist. Das Berühren des Handabdruckes soll angeblich Glück bringen.
Wenn man ansonsten kaum auf Menschen und schon gar nicht auf Touristen trifft, hier steht man Schlange um den Abdruck zu berühren.

Womit wir auch direkt bei einem anderen Thema wären: Nur- Sultan ist für mich die Stadt der Gegensätze.
In Nur-Sultan stehen die typischen Ostblock Plattenbauten neben futuristischen Gebäuden.
An jeder Ecke findet man die schicksten Restaurants aller Küchen mit riesigen Speisekarten und dennoch ist nicht immer alles aus der Karte bestellbar.
Für DDR- Geschichten bin ich zu jung, aber natürlich kenne ich auch zu Erzählungen von Lehrern und auch die Witze was es alles in der DDR nicht gab.
Folgendes Dialog- Gerüst ist uns ein paar Mal so passiert und kein Witz.
"Ich würde gerne ... bestellen"
"Das haben wir nicht."
"Dann nehme ich..."
" Das haben wir auch nicht..."
"Was können Sie denn empfehlen?"
"Wir haben Tee und ..."

Die Straßen sind voller Autos und es herrscht ein reger Verkehr und dennoch sind die Straßen menschenleer. Angeblich leben in Astana rund 1,1 Millionen Menschen. Wenn man durch die Straßen läuft trifft man gefühlt nur alle 500 Meter mal auf zwei Menschen. Außer man steht entweder für den Handabdruck des Präsidenten an oder im Einkaufszentrum Khan Shatyr. Hier trifft man ein paar mehr Menschen- dennoch immer noch weniger Menschen wie bei einem Spaziergang durch die Mannheimer Innenstadt.
Bei dem Einkaufzentrum Khan Shatyr sieht man sehr deutlich, dass man in Nur- Sultan versucht Tradition und Moderne zu verbinden.
Architektonisch ist das Gebäude den traditionellen Jurten den Nomaden in Zentralasien nachempfunden.
Im Inneren findet man Supermärkte mit riesigen Alkoholabteilungen und endlos langen Regalen voller verschiedener Wodka- Sorten, diverse Shops westlicher Marken und einen Vergnügungspark. Wie abgefahren ist das? Ein Vergnügungpark mit Freefall Tower mitten in einem Einkaufszentrum. Und einen Aquapark hat man auch noch mit integriert. Fehlt nur noch eine Skipiste mit und die Kasachen hätten die Emiratis übertroffen.
Und dabei ist das Einkaufszentrum am Ende nicht halb so groß wie die Mall of Emirates. Oder wirkt zumindest im Vergleich hierzu sehr übersichtlich.

Wer Urlaub abseits der bereits abgelaufenen Touristenpfade sucht ist in Kasachstan genau richtig.
Russisch- Kenntnisse sind allerdings sehr zu empfehlen, da die wenigsten Kasachen Englisch sprechen. Ob sie es sich nicht können oder sich nicht trauen- da bin ich nicht dahinter gekommen. Mit Händen und Füßen ging es dann aber - oder es wurde der Kollege, der etwas besser Englisch kann geholt.
In Nur- Sultan bemüht man sich sehr das neue, junge, morderne Kasachstan zu verkörpern. Dennoch merkt man natürlich dass Kasachstan noch vor 30 Jahren zur Sowjetunion gehört hat. Das merkt man allerdings auch in Polen- und Polen wurde nicht erst 1991 gegründet.
Genauso merkt man dass Geld keine Rolle zu spielen scheint. An jeder Ecke wird gebaut und man probiert sich noch aus, so dass auch kein einheitliches Stadtbild entstanden ist.
Ganz anders dagegen ist Almaty, die ehemalige Hauptstadt. Dazu mehr demnächst.


Dienstag, 30. April 2019

Totes Meer

Einmal an den Tiefpunkt und zurück. War sehr schön am Tiefpunkt und die Aussicht war auch klasse. Ok, genug der schlechten Wortwitze aber mit 400 Meter unter dem Meeresspiegel ist das Tote Meer der tiefste - trockene- Punkt der Erde. 
In den frühen Morgenstunden ging es für uns in Tel Aviv los Richtung Wüste Judäa. Einmal vorbei an Jerusalem, quer durch das Westjordanland. Auf der Fahrt mit dem Ziel "Ein Gedi Resort" am Toten Meer.
Ein Gedi ist eine Oase mitten in der Wüste und eine der Stellen, an denen das Tote Meer für Badetouristen zugänglich ist. Da man nicht einfach so an jeder Stelle schwimmen kann, sind entlang der offiziellen Strände überall so genannte Resorts angesiedelt. Dies klingt zwar nach Massentourismus und aus meiner Sicht auch recht exklusiv- aber aus Sicherheitsgründen absolut notwendig. Nur an diesen Stellen ist das Baden sicher und es ist ein Bademeister/ Rettungsschwimmer vor Ort. Ja, auch am toten Meer kann man ertrinken. Das Wasser ist durch den hohen Salzgehalt so schwer, dass man wenn man untertaucht am Ende nicht mehr auftauchen kann. 
Dennoch ist das Baden im Toten Meer eine Once in a lifetime Erfahrung und jeder Israel- oder Jordanien- Reisende sollte diese Erfahrung machen. 
Angekommen am Resort ging es von den Umkleidekabinen zu einer "Bushaltestelle" um die letzten Meter zu fahren. Als das Resort in den 80er Jahren (glaube ich -ich will hier nichts Falsches sagen) erbaut wurde, reichte das Wasser bis direkt vor die Tür. Durch die Verdunstung verliert das Tote Meer allerdings jedes Jahr rund 1 Meter an Tiefe, so dass man inzwischen rund 10-15 Minuten (ca 1 Kilometer) bis zum Ufer läuft.

Ich füge hier zwei Bilder ein, die wie ich denke die Verdunstung gut zeigen. Auf dem ersten Bild ist der Steg des Resorts und hinten am Horizont erst das Ufer des Toten Meeres zu sehen. Auf dem zweiten Bild kann man ganz gut erkennen, dass nach der Verdunstung ein komplett unfruchtbarer Boden voller Salzverkrustungen zurückbleibt.


Angekommen am Ufer des Sees ging es direkt ins Wasser. Anfang April ist am toten Meer noch nicht besonders viel los und das Wasser ist mit knapp 20 Grad bereits sehr angenehm. Aber ein kleiner Tipp am Rande: nehmt Badeschuhe mit und behaltet diese im Wasser an. Ich hatte natürlich keine geeigneten Schuhe dabei und habe mir im Wasser die Füße aufgerissen weil der Untergrund durch die Salzablagerungen sehr scharfkantig ist. Und bei 30% Salzgehalt im Wasser wird im wahrsten Sinne des Wortes Salz in die Wunde gespült. Aber nach einem kurzen, schmerzhaften Brennen ist Wunde direkt wieder gereinigt und verschlossen. Es war schon eine sehr besonderes Erfahrung im toten Meer zu schwimmen. Ab einer gewissen Wassertiefe, drückt das Wasser die Füße nach oben. Man schwebt im Wasser und kann sich auf dem Rücken einfach treiben lassen. 

Verlässt man das Wasser wieder, setzt sich auf der Haut das Salz als öliger Film ab. Total komisch. Beim Abduschen wirken die Salzkörnchen dann wie ein Peeling. Meine Haut hat sich nie besser gepflegt angefühlt.
Man sagt dem Toten Meer ja eh heilende Kräfte für allerlei Gebrechen und Leiden nach.
Ich würde jedem empfehlen, keine neuen oder teuren Badeklamotten mitzunehmen. Das Salz bekommt man nie wieder raus und die Klamotten kann man hinterher wegwerfen. 
Gegen das Tote Meer Salzwasser kann auch jedes Salzwasser- Haarspray einpacken. Ich war noch Tage später damit beschäftigt die Salzreste wieder aus meinen Haaren raus zubekommen.

Nach dem Baden ging es weiter nach Masada. Die Festung von Masada liegt nur knapp über dem Meeresspiegel. Ein sehr surreales Gefühl mit einer Seilbahn hoch auf Höhe des Meeresspiegels zu fahren, während man auf der Fahrt zum Toten Meer gar nicht wirklich bemerkt hat, dass man immer weiter in die Tiefe fährt.
Die Festung von Masada ist die ehemalige Palastfestung von Herodes, die zwar im Grunde eine römische Villa war aber Herodes auch seinen jüdischen Glauben ausleben konnte (wenn ich unseren Guide richtig verstanden habe).
Natürlich ist die Festung über 2000 Jahren größtenteils verfallen aber einige Wände, Bodenmosaike und Wandbemalungen hat man in sehr gutem Zustand ausgegraben, andere Teile hat man mit Originalmaterial wieder rekonstruieren können. Dies ist getrennt durch eine schwarze Linien- unten der alte Teil und oben die Rekonstruktion.

Kleiner Disclaimer vorab: Keine Garantie dass das Nachfolgende 100% richtig ist. Ich versuche nur wieder zu geben was ich noch von der Tour im Kopf habe. Und laut unserem Guide sind sich Historiker und Archäolgen auch nicht ganz einig was tatsächlich in Masada passiert ist und was nicht.

Nach Herodes war Masada dann Schauplatz des jüdischen Krieges. Die jüdischen Rebellen nahmen die Festung ein und konnten dort ein paar Jahre unter Belagerung der Römer gut leben. Was die Römer wohl nicht wussten: Der Boden auf diesem Plateau war wohl sehr fruchtbar, so dass man sehr ertragreich anbauen konnte und bei bei Regen konnte genug Wasser zur Versorgung aufgefangen werden.
Von der Festung hatte man auch einen Blick die römischen Lager und konnte somit den Feind im Auge behalten.
Blick auf die römischen Lager (viereckige Furchen im Bild)
Irgendwann erkannten die Römer wohl, dass die Belagerung recht aussichtslos ist und bauten eine Rampe hoch zu der Festung, um diese Einnehmen zu können.
Als die Rebellen erkannten, dass sie gegen Römer keine Chance hatten beschlossen sie gemeinschaftlich Suizid begehen. Dies ist aus jüdischer Sicht wohl sehr ungewöhnlich, hat aber auch mit Stolz zu tun. Lieber den Freitod als von den Römern versklavt oder ermordet zu werden. Die Rebellen brachten sich gegenseitig um und der letzte Lebende sollte die Festung in Brand setzten und sich dann auch selbst erdolchen.
Wie gesagt, für das Judentum ist so etwas nicht nur ein sehr radikaler Schritt sondern auch einer, der überhaupt nicht mit dem Glauben vereinbar ist.
Nach der Tour durch die Festung ging es dann wieder zwei Stunden zurück nach Tel Aviv und der Urlaub in Israel zu Ende.
Würde ich Israel wieder bereisen? JA- jederzeit. Die Israelis sind ein sehr herzliches Volk und ich habe mich zu keinem Zeitpunkt unsicher gefühlt. Dies war auch sicherlich nicht die letzte Reise nach Israel.

Montag, 22. April 2019

Jerusalem

Frohe Ostern oder frohes Pessachfest ( die Juden feiern ja kein Ostern, aber dafür zeitlich das Pessach).
Passend dazu möchte ich heute über Jerusalem schreiben, die heilige Stadt in der alles irgendwie einen Anfang und ein Ende haben zu scheint.
Im Grunde würde ich mich nicht als besonders gläubig bezeichnen, aber in Jerusalem wird man doch auf gewisse Weise sehr ehrfürchtig.
Egal ob im Judentum, Islam oder Christentum immer hat Jerusalem eine zentrale Rolle gespielt und somit ist es auch irgendwo klar, dass es genug Konfliktpotential vorhanden ist. Aber ich möchte nicht über den Israel- Palästina- Konflikt sprechen. Hierzu fehlt mir jeglich Expertise und es würde auch eine Seite hier nicht reichen.
Wo fange ich also an?
Wir sind morgens mit dem Bus von Tel Aviv nach Jerusalem gefahren.
Auf dieser Strecke gibt es sehr gute und recht günstige Verbindungen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Reine Fahrzeit: eine knappe Stunde.
In Jerusalem angekommen fühlt es sich im Vergleich zu Tel Aviv schon etwas wie eine andere Welt an.
Während in Tel Aviv Religion keine große Rolle zu spielen scheint, tut sie es in Jerusalem umso mehr.
In Jerusalem sieht man viel mehr orthodoxe Juden und auch Muslime, die sich auch nach außen hin zum Islam bekennen.
Ost-Jerusalem bildet die historische Altstadt. Und Ost-Jerusalem liegt in Palästina. Aber auch wenn man eine "Grenze" übertritt, muss man durch keine Kontrolle. Klar, es stehen an den Toren zu der Altstadt bewaffnete Polizisten und diese patrouillieren auch durch die Altstadt. Im Grund ist es dennoch nicht mehr Präsenz wie im Rest des Landes.

Man schreitet durch die Tore der Altstadt und trifft auf eine arabische Altstadt, wie man sie sich vorstellt. Enge verwinkelte Gassen mit Marktständen, Kinder die in den Gassen spielen. Es ist laut, es ist chaotisch und doch geregelt zugleich.

Zur Klagemauer haben wir es am Anfang noch ganz ohne Verwirrung geschafft.
Auch wenn es sich hier um eine religiöse Stätte des Judentums handelt, ist sie für alle zugänglich.
Nur Freitags dürfen Betende nicht fotografiert werden und generell gilt für Betende eine Geschlechtertrennung.
Die Geschlechtertrennung gilt übrigens auch in den Synagogen, damit man nicht vom anderen Geschlecht abgelenkt wird.

Nach der Besichtigung der Klagemauer haben wir vergebens nach einem Eingang zum Felsendom gesucht. Für Nicht-Muslime gibt es nur einen einzigen Zugang in den Vorhof das haben wir dann wieder zurück in Tel Aviv gelesen. In den Felsendom selbst, der inzwischen Moschee ist, kommt als Nicht-Muslim überhaupt nicht mehr rein. Auch das haben wir abends im Hotel in Tel Aviv gelesen.
Für diese Erkenntnis sind wir allerdings knapp eine Stunde durch die Altstadt Jerusalems geirrt. An jedem Eingang, den wir gefunden haben, hieß es "Moslems only".

Nachdem wir uns wieder grob orientiert hatten, kamen wir wieder auf Via Dolorosa. Die Via Dolorosa dürfte Vielen auch als Kreuzweg bekannt sein. Hier haben wir auch einige Prozessionen gesehen, die singend den Kreuzweg entlang gelaufen sind.
Über die Via Dolorosa sind wir wieder aus der Altstadt raus, Richtung Ölberg.
Am Fuße de Ölberges befindet sich das Grab der Jungfrau Maria und der Garten Getsemani.
Der Garten Getsemani ist allerdings inzwischen nur noch ein kleines Areal mit ein paar eingezäunten Olivenbäumen. Ob Jesu nun damals im Garten unter den Olivenbäumen festgenommen wurde oder in der Kapelle nebenan ist man sich nicht so einig. Die erste Gedenktafel behauptet ersteres, die zweite Gedenktafel sagt es in der Grotte der Kapelle. Ist ja auch schon etwas her.

Der Ölberg ist ohne jeden Zweifel auf palästinensischen Gebiet. Aber auch hier wieder keine Kontrollen, Nichts. Hier wird in den Medien wieder viel dramatisiert.
Und dennoch merkt man, dass man sich in einem anderen Territorium befindet. Irgendwie ist die Stimmung hier anders, nur wenige Meter zu Israel entfernt. Damit möchte ich nicht sagen, dass es sich auf irgendeine Weiße "gefährlicher" anfühlt.
Ich kann es gar nicht richtig beschreiben oder richtig fassen.
Auf der anderen Seite der Altstadt dagegen, könnte man auch genauso gut in Spanien sein. Es ist einfach mediterran mit jüdischen Touch.

Eine Stadt, die sinnbildlich für ganz Israel steht. Zwei verschiedene Welten, zwei verschiedene Religionen, zwei verschiedene Kulturen die hier aufeinander treffen.

Um Jerusalem zu verstehen braucht man mehr wie nur ein paar Stunden.







Samstag, 13. April 2019

Israel



Ich wusste nicht, was ich erwartet hatte in Israel zu finden und zu erleben.
Natürlich hatte ich mich vorab über die aktuelle Lage in Israel informiert, hatte Reise- und Erfahrungsberichte gelesen, mir einfach versucht ein Bild davon zu machen was mich erwarten könnte.
Auf eine gewisse Weise hatte ich ein Land erwartet, das von einen Konflikt zerrüttet ist, ein Land dem man an jeder Ecke auf hoch religiöse Menschen trifft.
Weniger Gedanken habe ich mir ehrlich gesagt um die Sicherheit gemacht. Zu diesem Thema habe ich vor ein paar Jahren in einer Fachzeitschrift ein Interview gelesen, dessen Kernaussage den Nagel auf den Kopf getroffen hat. Würden die Medien immer nur Bilder von rechtsradikalen Demos zeigen, von Anschlägen auf Weihnachtsmärkte, von Ausschreitungen nach Sportveranstaltungen etc hieße es auch, dass Deutschland ein unsicheres Land sei.
Natürlich sieht man in Israel viele schwer bewaffnete Menschen und auch eine große Militärpräsenz. Für uns Deutsche ist das schon recht befremdlich. Allerdings gilt in Israel eine allgemeine Wehrpflicht - gleichermaßen für Frauen wie für Männer. Und jeder, der beim Militär ist, ist auch zivil mit Waffe unterwegs.
Aber unsicher habe ich mich dadurch nicht gefühlt. Wie gesagt, wir Deutschen sind das einfach nicht gewohnt.

Ich habe ja mit allem gerechnet. Aber nicht, dass Israel ein Land ist, das sich leise von hinten anschmiegt, dir so viel Liebe entgegen bringt und du einfach nicht anders kannst, als es zu lieben.
Israel empfängt einen mit offenen Armen, dem besten Essen der Welt und einer Herzlichkeit, die vermutlich einmalig ist. Israel geht auf dich zu und umarmt dich freundschaftlich.
Kleiner Funfact am Rande: ich habe in Deutschland keinen Humus gefunden der mir schmeckt, noch fande ich Döner in der Türkei besonders meins - in Israel hätte ich mich in Humus und Schawarma reinlegen können.

Israel möchte kein Krisengebiet sein. Israel möchte kein nachtragendes Land sein (mit der deutschen Geschichte habe sie im übrigen abgeschlossen und gehen entspannt mit um). Israel ist jung und gut gelaunt und möchte genauso wahr genommen werden.
Israel tanzt mit dir auf der Straße.
Kurzum: ich weiß nicht was ich genau erwartet habe. Aber Israel hat mich überrascht, mich fasziniert.